Getreidestärke

Der Fachsparte Getreidestärke gehören sechs Unternehmen an, die aus Weizen und/oder Mais Stärkeprodukte, Proteine und andere Erzeugnisse herstellen. Sprecher der Fachsparte Getreidestärke sind Gustav Deiters, Geschäftsführer der Crespel & Deiters GmbH und Co. KG in Ibbenbüren, und Matthias Reeb, Procurement & Agribusiness Manager Europe bei Ingredion Germany GmbH in Hamburg. Stellvertretender Spartensprecher ist Michael Andreae-Jäckering, Geschäftsführer der Jäckering Mühlen- und Nährmittelwerke GmbH, Hamm.

Die zwei Fachsparten der Stärkehersteller im VDGS, Getreidestärke und Kartoffelstärke, befinden sich an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft, Food- und Non-Food-Industrie. Die Technologie der Stärkeproduktion unterscheidet sich in Abhängigkeit vom eingesetzten Rohstoff. Allen Verfahren gemeinsam ist jedoch das Prinzip der „Nassmüllerei“. Dabei wird die Stärke (Kohlenhydrate) aus dem Zellgewebe des zuvor zerkleinerten Rohstoffs ausgewaschen. Dieser Prozess ermöglicht es, den Rohstoff zu fast 100 % zu verwerten, denn auch die anderen Bestandteile, wie Proteine und Faserstoffe, können verarbeitet werden. Wichtige Kriterien bei Stärkeerzeugnissen sind unter anderem Reinheit, Viskosität und Bindekraft. Unter den Getreidearten kommen vor allem Weizen und Mais zum Einsatz: Weizen macht 31 %, Mais 14 % der von der deutschen Stärkeindustrie verarbeiteten Rohstoffe aus.

Weizenstärke findet breite Anwendung im Lebensmittelsektor sowie in technischen Industriezweigen. Bei Lebensmitteln liegt der Einsatzschwerpunkt von Weizenstärke auf Backwaren. Des Weiteren wird sie zu Süßungsmitteln (Glukosesirup) für die Süßwaren-, Getränke-, Molkerei- und Backwarenindustrie verarbeitet. Verschiedene Nebenprodukte aus der Stärkeherstellung, wie Weizenpülpe und Weizenkleber (Proteine), werden in Futtermitteln, wie z. B. Aquafeed (Lachszucht) eingesetzt. Der hochreine Vitalweizenkleber wird in Brot und Backwaren u. a. zur Verbesserung der Teigfestigkeit verwendet. Hydrolysierte Weizenproteine kommen im Futtermittel- und Lebensmittelsektor als Eiweißquelle und im Austausch für tierische Eiweiße zum Einsatz. Vor dem Hintergrund nachhaltiger Ernährungssysteme und einer stärker pflanzenbetonten Ernährung gewinnt gerade dieser Bereich an Bedeutung. Darüber hinaus sind Arzneimittel, Brennstoffe (Briketts oder Pellets), Kunststoffe sowie die Papier-, Wellpappen- und Klebstoffherstellung maßgebliche Anwendungsgebiete von Weizenstärke. Auch Getreidealkohol wird zunehmend aus den vergärbaren Extrakten der Weizenstärkeverarbeitung gewonnen und in Trinkalkoholen, pharmazeutischen und technischen Anwendungen eingesetzt.

Maisstärke ist landläufig vor allem als Puddingstärke und Bindemittel in Saucen bekannt. Maisstärke findet jedoch in vielen weiteren Bereichen Anwendung, darunter in Backwaren, Cremepulver, Süßwaren und Desserts. Darüber hinaus wird sie zu Süßungsmitteln (Glukosesirup, Dextrose, Sorbit, Maltit) für die Süßwaren-, Getränke-, Molkerei- und Backwarenindustrie verarbeitet und auch in der klinischen Ernährung eingesetzt. Häufige Anwendung findet auch die sogenannte modifizierte Wachsmaisstärke, z. B. in haltbaren Konserven, Fruchtzubereitungen und Milchprodukten. Modifizierte Wachsmaisstärke geliert nicht und ist im Herstellungsprozess der Lebensmittel stabiler; dies macht den wesentlichen Unterschied zu nativer Maisstärke aus. Die Nebenprodukte Maisklebermehl (Maisprotein) und Maiskleberfutter, die bei der Stärkeproduktion anfallen, werden als Futtermittel in der Tierernährung eingesetzt. Aus den im Prozess separierten Maiskeimen wird Maiskeimöl gewonnen.

Weitere Informationen zur Stärkeindustrie sind auf www.staerkeindustrie.de zu finden.